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Vom Planetarium zum Zukunftslabor
Fulldome 2.0: Ein kollektiver Gestaltungsraum

Immersion wird oft als bloßer Effekt missverstanden, als spektakuläres Eintauchen in Bilder. Uns geht es vielmehr um den Moment, in dem ein Raum uns so vollständig umgibt (und zugleich auflöst), dass er unser Denken verschiebt, weil wir nicht mehr außerhalb stehen (Thomas Oberender). Der Körper wird nicht stillgestellt, sondern reagiert auf den Raum, und der Raum auf den Körper (Hartmut Rosa). Das verändert nicht nur, was wir denken, sondern auch, wie wir fühlen und handeln. Diesen Perspektivwechsel wollen wir für gemeinsames Gestalten nutzen: Im Resonanz-Dome wird Erfahrung zur Brücke vom abstrakten Wissen zum konkreten Tun.

Das Planetarium blickt auf über hundert Jahre Geschichte zurück. Es steht im Spannungsfeld zwischen dem „Wunder der Technik“ und den „Techniken des Wunderns“ (Helen Ahner). Diese Qualität wollen wir erhalten und neu ausrichten bzw. erweitern: Weniger über ferne Welten passiv staunen, als vielmehr hin zum gemeinsamen Blick auf das Naheliegende. Angelehnt an James Lovelocks Gaia-Hypothese erweitern wir den Blick vom Universum auf unsere Erde mit all ihren sozialen, technischen und ökologischen Systemen.

Im immersiven Raum wird erfahrbar, wie alles miteinander verbunden ist. Raum ist dabei keine Kulisse. Er formt Wahrnehmung. Gestaltung beginnt nicht erst im Kopf, sondern im Raum-Fühlen (August Schmarsow), im Orientieren, im gemeinsamen Takt. Der Dome wird so zum begehbaren Weltinnenraum (Rainer Maria Rilke), in dem das vermeintlich „Äußere“ durch uns hindurch dringt.

Anwendungsfelder

Die Anwendungsfelder sind nicht auf wenige Themen und Perspektiven beschränkt, vielmehr besteht die Chance, viele verschiedene kommunale, (über-) regionale bis globale Herausforderungen multiperspektivisch zu bearbeiten und sogar miteinander in Beziehung zu setzen:

  • Energiewende vor Ort: Bürgerinnen und Bürger entwickeln spielerisch Energiekonzepte für ihre Lebenswelt, erleben Selbstwirksamkeit und stärken ihren Zusammenhalt.
  • Biokratische Experimente: Ökosysteme und nicht-menschliche Akteure erhalten durch Echtzeit-Datenvisualisierungen eine Stimme in demokratischen Prozessen.
  • Gesundheitsdialoge: Szenische und immersive Methoden ermöglichen Verständigung auf Augenhöhe zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten.
  • Kreative, interaktive Wissenschaftskommunikation ermöglicht berührende Eindrücke, die zu Berufswahl in MINT- oder Sozial-Fächern bzw. neuen Stadtprojekten inspirieren.
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