„Opium“ für's Familiengericht
Die Situation
Wenn Eltern sich trennen, leiden vor allem die Kinder. Familiengerichtliche Verfahren finden oft in einer Atmosphäre statt, die Konflikte eher verschärft als löst: juristische Sprache, gegnerische Positionen, überlastete Fachkräfte.
Die Eltern sind überwältigt von ihren eigenen Emotionen und verlieren die Bedürfnisse ihrer Kinder aus dem Blick. Anwälte, die von Berufs wegen Partei ergreifen, gießen nicht selten zusätzlich Öl ins Feuer.
Unser Vorschlag
So arbeitet heute kein Familiengericht, das ist uns bewusst. Was hier folgt, ist unser Vorschlag. Was wäre, wenn es im Familiengericht jemanden gäbe, der von Anfang an Wertschätzung in das Verfahren einbringt?
Wir schlagen einen psychologisch geschulten Verfahrensbeistand vor, der sich nicht nur um die Kinder kümmert, sondern auch um die verletzten inneren Kinder der Trennungseltern. Denn hinter den meisten Konflikten stecken alte Verletzungen, die in der Krise wieder aufbrechen.
Wenn es gelingt, diese Verletzungen anzuerkennen und einen sicheren Raum zu schaffen, kann sich viel bewegen: Der Druck sinkt, und beide Eltern können wieder zuhören, statt sich nur zu verteidigen.

Sieht so ein Familiengericht aus? Quelle: Renate Alf
Warum „Opium für´s Familiengericht“?
Der Name spielt auf einen berühmten Satz von Karl Marx an: Religion als Opium des Volkes. Wir drehen das Bild um.
Dieses „Opium fürs Familiengericht“ ist keine Betäubung, sondern eine Öffnung: Resonanzprinzipien dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Der Name ist ein Bild, kein Wirkversprechen.
In einer früheren Fassung stand hier, Wertschätzung löse körpereigene Opioide aus und senke dadurch Stress. Diese Aussage haben wir nicht erfunden. Sie steht so in verbreiteter Beratungsliteratur, unter anderem bei Joachim Bauer (Prinzip Menschlichkeit, 2006), einem Standardwerk in systemischen Ausbildungen. Wir haben sie übernommen und dann nachgeprüft, was davon trägt. Ergebnis: Diese Wirkkette ist wissenschaftlich nicht belegt, deshalb steht sie hier nicht mehr.
Belegt ist etwas anderes, und es trägt die Idee besser: Das Stresshormon Cortisol steigt am stärksten an, wenn zwei Dinge zusammenkommen. Man wird von anderen bewertet, und man kann den Ausgang nicht steuern (Dickerson und Kemeny 2004, eine Auswertung von 208 Laborstudien). Ein familiengerichtliches Verfahren erfüllt beide Bedingungen wie kaum eine andere Lebenslage. Wer dort Wertschätzung und einen sicheren Rahmen einbringt, setzt genau an diesen beiden Punkten an.
Was das bringen kann
- Für die Kinder: Weniger Belastung, schnellere Lösungen, Eltern die wieder kooperieren
- Für die Eltern: Wertschätzung statt Vorwürfe, Verständnis statt Kampf
- Für das Helfersystem: Entlastung von Gerichten, Jugendämtern und Fachkräften
- Für die Gesellschaft: Erhebliche emotionale, gesundheitliche und finanzielle Einsparungen
Eine Grenze gehört dazu: Bei Gewalt oder Gefährdung ist das Gericht nicht die Eskalation, sondern der einzige Weg, der wirkt. Wertschätzung ersetzt keinen Schutz.
Weitergedacht
Stell dir vor, Gerichtsräume würden zu integrierten Co-Parenting-Zentren umgestaltet. Orte, an denen Achtsamkeitsübungen, professionelle Begleitung und eine resonanzfähige Atmosphäre Eltern dabei helfen, über den unmittelbaren Konflikt hinauszublicken. Und sich wieder auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: das Wohl ihrer Kinder.