13. Februar 2025
Humboldts Kosmos im digitalen Zeitalter
aus dem Original-Text in einfache Sprache übersetzt von Jean-Claude Sonnet
Alexander von Humboldt sah die Welt als ein großes Netz. Alles hängt mit allem zusammen. Diese Idee ist fast zweihundert Jahre alt. Sie passt genau in unsere Zeit.
Eine alte Idee
Humboldt schrieb ein großes Werk mit dem Titel Kosmos. Darin steht ein einfacher Gedanke: Alle Erscheinungen der Natur hängen zusammen.
Das Wort Kosmos bedeutete ursprünglich Schmuck und Ordnung. Erst über Pythagoras und Aristoteles wurde daraus die Weltordnung. Humboldt meinte damit nicht nur den Himmel. Er meinte auch alles auf der Erde.
Diese Idee der Verbundenheit zwischen Mensch, Natur und Wissenschaft könnte heute neu aufleben. Mit digitalen Mitteln.
Ein Archiv vor Ort
Humboldt hat viele Fachgebiete zu einem Gesamtbild verwoben. Genau so könnte ein Archiv unserer Verbindungen zur Mitwelt arbeiten.
Aber nicht als eine große Sammlung irgendwo im Netz. Besser wäre ein Netzwerk aus vielen kleinen Archiven. Jedes davon wäre in seiner Region verwurzelt.
Dort würde festgehalten, wie Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften vor Ort zusammenhängen. Es ginge nicht nur um Messwerte. Es ginge auch um das, was Menschen erleben und sehen. Genau so hat Humboldt gearbeitet. Er war genau und staunte trotzdem.
Vom Buch zum begehbaren Raum
Humboldt konnte nur schreiben und Vorträge halten. Heute geht mehr.
In einem Kuppelraum lassen sich Zusammenhänge zeigen, durch die man hindurchgehen kann. Wie die Energieversorgung einer Stadt funktioniert zum Beispiel. Oder wie eine lokale Entscheidung an anderer Stelle wirkt.
So entstünde mehr als eine Datensammlung. Es wäre ein Werkzeug, um Beziehungen sichtbar zu machen und mitzugestalten. Humboldts Einheit in der Vielfalt wäre dann kein abstrakter Gedanke mehr. Sie wäre eine Erfahrung.
Verteiltes Wissen statt zentraler Kontrolle
Das ist etwas ganz anderes als das, was große Technikkonzerne gerade planen. Google zum Beispiel will die Welt mit Künstlicher Intelligenz noch einmal nachbauen. Von oben herab und an einer Stelle gesammelt.
Der Unterschied ist grundlegend. Auf der einen Seite steht eine zentrale Erfassung der Welt für eine übermenschliche Maschine. Auf der anderen Seite steht die Klugheit vieler kleiner Gemeinschaften.
Der zweite Weg nutzt digitale Werkzeuge auch. Aber er stellt die eigene Wahrnehmung und das gemeinsame Lernen in die Mitte. So kann altes örtliches Wissen neben der Forschung stehen, gleichberechtigt.
So entsteht kein Datenlager. Es entsteht ein lebendiges Netz aus Wissen, das in echten Orten wurzelt.
Was die Wörter bedeuten
- Kosmos: ursprünglich Schmuck und Ordnung, später die geordnete Welt als Ganzes
- Mitwelt: alles, was mit uns lebt. Tiere, Pflanzen, Böden, Gewässer und Menschen
- Kuppelraum: runder Raum, in dem Bilder und Klänge rundherum laufen